Herstellung *** Aufbewahrung *** Diabetrachter *** Projektoren ***Arbeiten mit Dias *** Alte Dias


Nein, das verstehen wir natürlich nicht unter fachgerechter Projektorbedienung!

Aber im Ernst, einen Projektor zu bedienen war in der Anfangszeit Ende des 19. Jahrhunderts ganz schön schwierig und gefährlich, denn schließlich ging es mit offenen Flammen und explosiven Gasmischungen einher. Alles musste haargenau aufeinander abgestimmt werden, um ein gutes Bild zu erzielen.

Sie kennen den "Vorhang-Filter" zum Überblenden aus Microsoft-Powerpoint oder aus diversen Filmbearbeitungsprogrammen? Es gab ihn schon in den Anfangszeiten der Projektion! Damals sah das so aus und hieß "Dissolver" :

Laterna Magica Vorhangfilter

(The Art of Projection and Complete Magic Lantern Manual, 1893)

 

Umfangreiche Handbücher erklärten, wie man einer Projektion das Maximum an Showeffekt entlocken konnte und filmische Effekte zaubern, noch bevor eigentlich "die Bilder laufen lernten"... Zum Beispiel, Bilder in Rauch zu projizieren, was einen "Geist erscheinen" ließ, oder auch einen Vulkanausbruch nachzustellen.

Projektion eines über einem Sarg (!) erscheinenden "Geistes", nach einer Beschreibung von 1783, abgedruckt in der Krünitzschen Enzyklopädie (erschienen 1773 bis 1858 in 242 Bänden!) Wer mehr lesen will:http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/l/kl01374.htm

Wie man eine Blumenvase und Schmetterlinge zum Leben erweckt - einer der "Tricks" mit einer "Laterna Magica" Ende des 19. Jh.s

Ahs und Ohs waren in jedem Milieu garantiert, wenn der kundige Vorführer seine Show begann. Von Aktdarstellungen bis zu Kunst, Kultur und frommen Bibelszenen konnte alles zum Repertoir gehören.

Szenen aus der Westernserie "Hell on Wheels": eine Diavorführung mit Bildern aus Europa vor den Eisenbahnbauern im Zelt

Effekte wollte man an Schulen und Universitäten natürlich nicht sehen! Dort war nüchterne Wissenschaft gefragt. Das Arbeiten mit großen und kleinen Dias hatte dennoch seine Vorteile - und seine Tücken! Natürlich konnte man mit einem Dia viel plastischer und vor allem simultan zum Vortrag illustrieren, als wenn man etwa Bilder durch den Saal gereicht hätte. Die Fotografie hatte das oft ferne Kunstwerk präsent gemacht - die Diaprojektion machte es möglich, es einer großen Zuhörerschaft eindringlich zu präsentieren. Kein Wunder, dass sich Bildungseinrichtungen, aber auch die politische Propaganda, des Mediums bedienten!

Werbezettel der Firma Liesegang

Werbeblatt für Lichtbilder und Projektoren für die Schule von der Firma Benzinger, 1925

In den USA machten die "Lyceums", eine Art Volkshochschule, die in eigenen Gebäuden Vorträge mehr oder weniger wissenschaftlicher oder unterhaltsamer Art präsentierten, vom 19. Jh. bis in die 1920er Jahre reichlich Gebrauch von Diavorträgen. Die professionellen Vortragenden wurden durch eigene Agenturen vermittelt und konnten in der Topriege bis zu 9000 $ (! umgerechnet in heutige Währung) verdienen. Auch im Gebrauch von Dias in Schulen waren die USA Vorreiter ("Jede größere Schule besitzt eine Laterna Magica, oft deren mehrere") , wie bereits in den 1870er Jahren ein deutscher Autor nicht ohne Wehmut bemerkt - in Deutschland hielt man dagegen noch an den"kostspieligen und ungenauen Wandtafeln" fest.

Ein professioneller Vortrag um 1900. Die aus einer Zeitungswerbung stammende Fotografie ist allerdings gestellt: während man rechts das projezierte Bild sieht, hat der Assistent links die Stromleitung für den Projektor noch in der Hand! Der Projektortisch besaß Räder und war höhenverstellbar (Bildquelle: The Lyceumite Bd. 27)

Einer der unerreichten Vorteile war sicherlich, dass der Vortragende noch kurz bevor er oder sie "dran" waren, oder sogar während des Vortrags, Bilder hinzufügen und umstellen konnte - mit Powerpoint und Keynote heute weitaus umständlicher und während der Präsentation nicht möglich. Auch bei der Beschriftung konnte liberal verfahren werden: solange noch Platz war, wurden die Informationen nachgetragen. Das Neuprogrammieren zusätzlicher Datenbankfelder oder das Editieren eines Eintrages durch befugte Datenbankadministratoren heute ist ein weitaus größerer und zum Teil kostspieligerer Aufwand.

"Einer geht noch" - Platz für zusätzliche Hinweise war irgendwie immer noch zu finden. Dia aus der Großdiasammlung des Kunstgeschichtlichen Seminars, Uni Hamburg

Die Auflösung und die Kontraststärke waren ein weiterer Vorteil des Dias, der erst mit den neuesten Entwicklungen der digitalpräsentation langsam eingeholt werden kann. Gesetzt den Fall natürlich, dass das Dia von einer guten Vorlage, möglichst einem Original, abfotografiert wurde. Ein von einem Zeitungsbild erzeugtes Dia ist so schlecht wie ein von einem Zeitungsbild erzeugtes Digitalbild!

Nachteilig war die lange Vorbereitungszeit und die hohen Kosten, letzteres besonders bei Farbdias. Fehlten Dias über das geplante Thema, mussten sie erst bestellt oder angefertigt werden - anders als heute, wo ein rascher Blick in die Datenbank oder das Internet genügt. Gegen Ende des II. Weltkrieges und kurz danach konnte es Monate bis Jahre dauern, ehe die bestellten Dias endlich eintrafen (wenn überhaupt). Am Hamburger Kunstgeschichtlichen Seminar wurde z. B. am 22. Oktober 1959 per Brief in München angefragt, ob in der dortigen Gemäldesammlung die benötigten Dias vorhanden und ausleihbar wären, oder diese angefertigt werden könnten. Am 6. November kam die Antwort aus München, man könne über eine Fotofirma entsprechende Dias anfertigen lassen, was pro Stück 7,50 DM koste. Am 10. Nov. ging dann wieder ein Brief aus Hamburg retour...

Interessenten ließen sich von den Verlagen Ansichtsalben oder Tafeln liefern, anhand derer sie ihre Dias bestellten (Ansichtstafeln der Seestern-Lichtbildreihe des Seemann-Verlages, Leipzig, um 1920-1930, Größe ca. A 1, heute im Stadtarchiv Leipzig)

Ein weiterer Nachteil lag in der physischen Präsenz des Bildträgers: Dias verstaubten und mussten regelmäßig gereinigt, oder wenigstens abgedeckt aufbewahrt werden. Befanden sie sich achtlos an "frischer Luft" abgelegt, gingen die Emulsionsschichten der Farbdias kaputt, sie blichen aus oder wurden rotstichig. Die Umklebungen der Rahmen wurden manchmal brüchig und fielen ab; von den Plastikrahmen hingegen fielen die mit falschem Klebstoff befestigten Aufkleber herunter. Dias brauchen eine möglichst gleichbleibende Temperatur, die 20 Grad nicht übersteigen sollte, Trockenheit und Dunkelheit. Keller und Dachböden wurden schon vielen Sammlungen zum Verhängnis! Das Aufsuchen UND das ordnungsgemäße Zurücksortieren kostete Zeit und Geld für die Universitäten, die entsprechende Hilfskräfte einstellen mussten. Natürliche entwickelte die findige Industrie auch Hilfen, zum Beispiel ein "Diaputzgerät":

Im Wissenschaftsbetrieb musste oft auf Vergleiche zurück gegriffen werden - lange Zeit jedoch war es schon aus Kostengründen nicht möglich, zwei Projektionsapparate anzuschaffen, um Vergleichsbilder projezieren zu können. Die besonders lichtstarken Lampen und die Spezialspiegel waren teuer und daher in der behördlichen Bürokratie oft schwer zu ersetzen. Man behalf sich, indem die zu vergleichenden Objekte nebeneinander auf ein Glas-Großdia untergebracht wurden. Größen- Material- und Farbunterschiede fielen dabei allerdings fort, ebenso wie in einem Buch.

Dia aus der Großdiasammlung des Kunstgeschichtlichen Seminars, Hamburg

Die Großdias boten auch genügend Raum, verschiedene Ansichten eines Objektes, etwa eine Skulptur, nebeneinander abzubilden und so geradezu einen filmischen Aspekt in das Medium zu bringen. Vor allem in der Archäologie war diese Darstellungsart beliebt.

Dia aus der Archäologischen Sammlung des Kunstgeschichtlichen Seminars, Hamburg

Entsprach das angekaufte Dia nicht den speziellen Wünschen oder gab es gar neue Forschungsergebnisse, konnte ein Dia auch nachträglich angepasst, sprich abgeklebt werden:

Dia aus der Archäologischen Sammlung des Kunstgeschichtlichen Seminars, Hamburg. Die zum Vergleich dienende Sphinx rechts ist noch zu erahnen.

In großen Diasammlungen dauerte es seine Zeit, ehe man die benötigten Bilder zusammen gesucht hatte, existierten doch nicht immer Register, die nach Schlagworten sortiert waren, und selbst wenn, musste erst das Register konsultiert werden, und anschließend die entsprechenden Kästen nach dem tatsächlichen Bildträger durchgesehen. Während Lehrmaterialien für Schulen bereits in entsprechend beschrifteten und gegliederten Boxen zur Verfügung stand, entwickelten die Universitäten ganz verschiedene Ordnungssysteme: Diapositive konnten nach Art des Dargestellten, nach Epoche, oder aber nach Herstellungsland geordnet werden. Stießen die Systeme an ihre Grenzen, wurden oft ganze Sammlungen mühsam umsortiert und katalogisiert.

Vier Generationen Projektoren: li. oben der "Triplex" von 1926, darunter ein "Pradovit" aus dem Jahr 2000. Weiter vorn eine Laterna Magia, um 1900 und ein Filmosto "Bube" von 1937 - bei der Nacht des Wissens 2017 an der Universität Hamburg.

Diaprojektion mit dem 92 Jahre alten "Triplex" im Rahmen der Nacht des Wissens 2017 an der Universität Hamburg, Objektiv nicht original.

Waren die Dias zusammen gestellt für den Vortrag, ging es an die Projektion, die im Falle des wissenschaftlichen Betriebs ein Helfer übernahm, nicht der Vortragende selbst - der Projektor stand schließlich auf einer Bühne hinten im Saal, der Vortragende vorn am Pult. Da besonders die großen Projektoren in Vorlesungssälen sehr groß waren, waren sie auch SEHR laut. Der Befehl an den Helfer, wann ein neues Dia einzuschieben sei, konnte manchmal nur noch mit einem lauten Klopfzeichen übermittelt werden. Von der Vorlesung selbst bekam der Diaschieber oft nicht viel mit. Einige Firmen dachten sich daher Signallampen und andere komplizierte Vorrichtungen aus, die sich in der Allgemeinheit aber nicht durchsetzen konnten.

Lese- und Signallampen der französischen Firma E. Mazo, Anfang des 20. Jahrhunderts

Literatur

"The Lyceumite"-Gazette Nr. 27