Herstellung *** Aufbewahrung *** Diabetrachter *** Projektion *** Arbeiten Mit Dias *** Alte Dias


Erfunden wurde die Projektion mit Licht und Linsen wohl im 17. Jahrhundert; zumindest liegt eine Beschreibung des Wunderapparats durch den Jesuitenwissenschaftler Athanasius Kircher ( gest. 1680) vor.

Laternas und die Mechanik hinter beweglichen Bildern Ende des 17. Jhs. "Collegium experimentale sive curiosum" von 1676, abgedruckt in der Krünitzschen Enzyklopädie (erschienen 1773 bis 1858 in 242 Bänden!) Wer mehr lesen will: http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/l/kl01374.htm

Zwei Schausteller mit Laterna Magicas. Li.: Bronzefigur von A. Bofill, um 1900, Re.: Meißner Porzellan-Figur mit Leierkasten und Laterna, Mi. 18. Jh.

Zu Beginn ihrer Karriere fand die "Laterna Magica" vor allem auf Jahrmärkten ihren Einsatz. Sie war gerade zu das Synonym für ein Gemisch aus Populärwissenschaft, spektakulär aufbereiteter neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Showeffekt. Dieses französische Magazin, das sich mit allerlei Merkwürdigkeiten, Entdeckungen, Kunst und Reisen befasst, heißt "La Lanterne Magique":

Laterne Magique 1833

"La Lanterne Magique", 1833. EIne Laterna Magica steht links im Bild

Eine Laterna Magica im Einsatz zum Amüsement

Laterna-Magica-Vorstellung. Gemälde von Paul Sandby um 1760.

Dabei ging es durchaus nicht nur um platte Projektion von Bildern: spezielle "Laterna Magicas" zauberten damals atemberaubende Special Effects und Animationen, die für große Popularität sorgten. Im 19. Jahrhundert zog eine einfache Form der "Laterna Magica" in Kinderzimmer ein, und gegen Ende des Jahrhunderts wurden die gemalten Bilder mit fotografisch erstellten Szenen ersetzt.

Li.:Ein Triunial-Projektor der Firma Ottway & Son, für Spezialeffekte, um 1890. Heute im Museum Victoria, Melbourne, Australien, Re.: Laterna Magica für Kinder mit Aufziehmechanismus und Bildscheiben

Was man unter dem Weihnachtsbaum um 1880 erwartete...

Gleichzeitig kamen die ersten Projektoren, "Skioptikons" genannt, und Epidiaskope auch an Bildungseinrichtungen in Mode - konnte doch mit ihrer Hilfe gleichzeitig ein großes Publikum erreicht werden, viel besser, als wenn Vorlagen von Hand zu Hand gingen! Auch touristisch wurden "Laternenbilder" und Projektoren genutzt. Zusammen mit dazu passenden informativen Texten brachten sie dem bildungshungrigen, aber reiseunfähigen Bürger der Jahrhundertwende Menschen, Kultur und Geschichte von Ländern wie Ägypten und China näher.

Kritisch aber stand man dem "neuen Medium" Projektionstechnik in den Bildwissenschaften, besonders der Kunstgeschichte, gegenüber. Hier kam es schließlich auf besonders exakte Wiedergabe der Objekte an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannte ein deutscher Kunsthistoriker aus Berlin den Wert eines "Bildwerfers" für die Lehre an Universitäten. Bis in die jüngste Zeit hinein blieben Diapositive und Projektoren Bestandteil schulischer Lehrmittel für fast alle Fächer.

Ein Projektor im Einsatz bei einer Astronomievorlesung im 19. Jh.

Leuchtmittel und Technik

Die ältesten Laterna Magicas arbeiteten mit Kerzen oder Petroleumlampen. Erfindungsreiche Geister verwendeten spezielle chemische Gemisch als Leuchtmittel: Sauerstoff, Wasserstoff, Kalzium... Nach der Nutzbarmachung der Elektrizität und der Erfindung der Glühlampe an der Wende zum 20. Jahrhundert machte diese selbstverständlich das Rennen: sie war an Helligkeit, Einfachheit der Handhabung und bald auch Lebensdauer einfach unschlagbar!

Eine Laterna Magica mit Petroleumlampe als Leuchtmittel, beworben in einer Ausstellung von 1883

Laterna Magica mit Acetylen-Brenner-Beleuchtung (M. Ward: Catalogue of Magic Lanterns..., 1880ies)
Acetylen-Brenner (M. Ward: Catalogue of Magic Lanterns..., 1880ies)
Laterna Magica mit Lichtbogen-Beleuchtung (R. C. Bailey: Modern Magic Lanterns. A Guide to the Management of the Optical Lantern, 1900)
Lichtbogen-Installation (M. Ward: Catalogue of Magic Lanterns..., 1880ies)

 

Li.: Ein mit Sauerstoff-Wasserstoff-Gemisch beleuchtender Stereo-Projektor der amerikanischen Firma Hall, 1873 (Th. Hall: Halls illustrated catalogue of Magic Lanterns, 1873)

Re.: Eine frühe Glühlampe für einen Projektor (G. Brunel: Les agrandissements et les projections, 1899)

Ein elektrisches Skioptikon, 1907 (Quelle: Hassack/Rosenberg)

Laterna Magicas benutzten eine halbkugelförmige Linse, Projektionsapparate wie das Scioptikon eine Linsenkombination, die für eine Verkürzung der Brennweite und ein schärferes Bild sorgte. Im Gegensatz zum Diaprojektor besaßen Epidiaskope den Vorteil, als "Overheadprojektoren" auch Buchseiten projezieren zu können. Hierfür war ein zweites Objektiv mit einem Spiegel an der Oberseite angebracht. Die Glasdias wurden in einen hölzernen oder metallenen Rahmen gesetzt, der vor das Objektiv eingeschoben wurde. Die Bücher kamen unter das Gerät auf eine Buchwippe. Besonders im Schul- und Universitätsbereich waren diese Kombigeräte beliebt und lange im Einsatz, bis mit dem Overheadprojektor die Technik wieder entkoppelt wurde. Projeziert wurde auf Papier, zwischen Publikum und Projektor stehende Schirme, Leinwände oder ganz einfach die Wand (was aber stets das schlechteste Ergebnis hervorrief). Ähnlich wie ein Epidiaskop funktionierte auch das amerikanische "Radioptican", mit dem Postkarten projeziert werden konnten.

Scioptikon mit Petroleumbeleuchtung (Liesegang, Projectionskunst, 1896)

 

Ein Radioptican zur Postkartenprojektion

Epidiaskop-Funktion
Li.: Episkop von Liesegang, 1890, Re.: Funktionsweise eines Epidaskops, um 1930 (Wissenschaftliche Anwendungen der Photographie, Teil I)

Schon sehr früh machten sich die Projektorfirmen Gedanken über eine Magazinzufuhr. Hier zwei Vorrichtungen aus dem Jahr 1907 für große Glasbilddias:

Links ein Diawechsler der Firma Zeiss, Rechts ein Diamagazin der Firma Liesegang.

Quelle: Hassack/Rosenberg

 

Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eroberten Kleinbilddiaprojektoren auch die Privathaushalte und sorgten für eine Popularisierung des Medium Dia. Die deutsche Firma Leitz leistete Pionierarbeit auf diesem Gebiet, bot auch Projektoren mit Filmhalterung und sogar bereits Magazin-Zufuhr an. Bald gab es automatische Diawechsler mit Magazinanschluss zum Nachrüsten für gängige Projektoren. Besonders ausgeklügelt waren automatische Projektoren, die man für Schaufensterwerbung nutzen sollte, und die in Endlosschleife Bildbänder, Filme und Dias zeigen sollten. Ab den 50er Jahren wurden automatische Projektoren beworben, die den Diaschieber zumindest im heimischen Bereich überflüssig machten und somit für ein unbeschwertes Sehvergnügen sorgen sollten.

Ein Liesegang-Projektor von 1909 für Schaufensterwerbung

Ein Leitz VIIIa mit Magazinen aus den 30er Jahren.

 

Diese Projektorbedienung (hier ein Kodaslide von 1941) gehörte bald der Vergangenheit an: Fernbedienungen wurden entwickelt!

 

PROJEKTORENGALERIE

Ganz alte und ehrwUErdige Herrschaften!

Dias konnten nicht nur als Einzelbilder, sondern auch als sogenannte "Bildbänder" projeziert werden. Daher haben einige Projektoren Filmvorführeinrichtungen.

Ernst-Plank-Laterna

Laterna Magica von Ernst Plank, Nürnberg mit Originalbildern

(Eigentum A. Napp)

Gebrauchsanleitung

"Optica" der Firma Bing, Nürnberg, ca. 1925, Laterna Magica für 4-cm-Glasbild-Streifen mit Original-Leuchtmittel. Leitung aus den 1940er Jahren. Vorführung mit moderner Lampe. D.R.G.M.-Bildstreifen 4 cm, ca. 1920.

(Eigentum A. Napp)

Schulprojektor, um 1920/25, vermutlich von Ica, Dresden. Lampe: Osram Nitra 500 W, um 1941. Vorführung mit modernem Leuchtmittel.

(Eigentum A. Napp)

Schulprojektor mit Blende, um 1900/1920, recycelt und mit Eigenbauteilen (Nachkriegszeit?) wieder betriebsfähig gemacht. Trafo von Eumig. Ohne Leuchteinrichtung gekauft, mit modernem Leuchtmittel betriebsfähig.

(Eigentum A. Napp)

Ein originelles System war das französische "Pathéorama" und sein Projektor, um 1924. Das Pathéorama konnte mit einem Bildband bestückt werden und als Tageslicht-"Gucki" genutzt. Oder aber in den zugehörigen Projektor eingelegt. (Gesehen auf ebay)

Mehr dazu

Epidiaskope und Episkope

Müller-Wetzig-Epidiaskop

Das Müller-Wetzig Epidiaskop der Marke "Triplex" aus Dresden (Objektiv u. Spiegel sind leider verloren gegangen) konnte Dias, Bücher und Postkarten projezieren, Deutschland, um 1925. (Eigentum Uni HH)

Triplex-Werbeblatt (Deutsches Historisches Museum) --- Triplex-Funktionsweise

Liesegang-Janulus

Liesegang "Janulus", auch für Großdias.

(Eigentum Uni HH)

Ein paar dezente Hinweise für den Umgang mit den Projektoren mussten natürlich auch sein! Bei diesem Leitz aus den 1930er Jahren ist die Putzanordnung gleich auf das Gerät geschraubt:

Auch für Kinder gab es Episkope, wie hier das Vista-Rama aus Italien:

Kleinbild-Projektoren der Dreissiger und Vierziger Jahre

"Filmoli"-Bildband- und Diaprojektor mit Widerstand und Amperemeter an der Seite des Geräts. Klappe links: Leselampe, 1930er Jahre

(Eigentum A. Napp)

Leitz "Hektor" VIIIs von 1937-1951

Originalprospekt

(Eigentum A. Napp)

Der aparte achteckige Filmosto "Bube", Ende 30er Jahre (Stromzufuhr modern).

(Eigentum A. Napp)

   

 

Ein Projektor Marke "Selbstbau", vielleicht aus Schrottteilen nach dem 2. Weltkrieg zusammen gebaut

(Eigentum A. Napp)

 

In den 50er Jahren wetteiferten dutzende von Firmen um das platzsparendste, effektivste und originellste Design, das zudem noch preislich erschwinglich sein sollte. Die Schnörkel der ersten "Laterna Magica" wichen funktionellem Industriedesign, das zu einem Spiegel der jeweiligen Epoche wurde. Häufig wurden Kameras und Projektoren zusammen beworben.

Kleinbild-Projektoren der Fünfziger Jahre

Filius-1-Projektor Agfa-Opticus

"Filius 1" (DDR), konnte Dias und Diarollfilme zeigen, dieses Exemplar wurde 1957 gefertigt

(Eigentum: A. Napp)

Kugelprojektor, VEB Zeiss (DDR), Jena

(Eigentum: A. Napp)

Ein goldglänzender "Agfa-Opticus" mit vertikalem Diaschacht

(Eigentum A. Napp)

 

Fafix-Klappprojektor der Firma Zett von der Größe eines Taschenbuchs (auch die Füße sind einklappbar) , inklusive Aufbewahrunsfächern für die Dias, 1952

(Eigentum A. Napp)

Der "Paximat" von Braun besitzt manuelle Magazinzufuhr (Rädchen an der Seite) und einen abnehmbaren Lüfter (Kuppel)

(Eigentum A. Napp)

"Mikrolux"-Bildbandprojektor der Firma Mikrolux in Dresden, zweite Hälfte 1950er Jahre, mit Trafo und originalem Leuchtmittel.

(Eigentum A. Napp)

 

Kleinbild-Projektoren der Sechziger Jahre

Filius 4-Projektor

Pentacon "Aspectar", DDR, gefertigt mit minimalen Änderungen von 1961-1984

(Eigentum A. Napp)

Mehr

Quadratisch-Praktisch-Gut: mit seinem kantigen Design wagt dieser Projektor den Sprung in die 70er Jahre. "Filius 4", VEB Pentacon Dresden, Originalpreis 140 M - um 1965-1970

(Eigentum A. Napp)

Kleinbild-Projektoren der Siebziger Jahre

Leitz Prado-Universal

 

Leitz "Prado Universal", dieses Exemplar wurde 1974 gekauft

(Eigentum Uni HH)

Kleinbild-Projektoren der Achtziger Jahre

Pentacon 50

Liesegang-Diafant

Pouva Magica

"Pentacon H50", VEB Buchwitz-Starkstrom-anlagenbau Dresden - 1984

Liesegang "Diafant 250" für Profigebrauch, im Einsatz bis Mitte der 90er Jahre

(Eigentum Uni HH)

"Pouva Magica", Firma Karl Pouva, Freital (DDR), zur Projektion von Roll-filmen, insbesondere Märchen. Im Wesentlichen unverändert blieb das Aussehen von 1950er bis in die 80er Jahre. Dieses Exemplar stammt von 1988. Daneben liegt ein Rollfilm der Marke "Drei-Ring-Bildschau" aus den 50ern.

(Eigentum A. Napp)

1. Seite der Bedienungsleitung (Quelle)

 

Projektoren der Neunziger Jahre

 

Die Krone der Schöpfung: Diaprojektionstechnik aus den 2000er Jahren

Leica Pradovit IR mit Infrarotfernbedienung und möglicher Doppelschaltung, ab 2003

(Eigentum Uni HH)

Paximat Multimag SC 668 von Braun mit Computersteuerung und Infrarotfernbedienung und Zeitschaltuhr, im Jahr 2015 noch im regulären Angebot für rund 600 Euro

Stereoprojektoren

Die Stereoprojektoren waren der Vorläufer des 3-D-Kinos. Es gab neben den Projektoren auch einfache Stereo-Guckies. Spezielle Kameras bzw. aufgerüstete Kameras ermöglichten auch dem Privatmann, Bilder für das heimische Stereoskop herzustellen. Die amerikanische Firma Viewmaster patentierte ihre Bildräder 1939, produzierte zunächst Landschaftsserien, spezialisierte sich später aber auf Film-Tie-Ins, Comics und Kinderprogramme. Die Produktion wurde bis in die 2000er Jahre fortgesetzt.

 

 

Schaut er mich an? Stereoprojektor "Vivid 116" von TDC, USA, 50er Jahre

(Gesehen auf Ebay)

Wie aus dem Armeezubehör wirkt dieser Polamatic-Stereoprojektor, USA

(Gesehen auf Ebay)

"FED" aus der Sowjetunion. Produziert von den 60ern bis in die 90er!

(Gesehen auf Ebay)

Mehr dazu auf dieser Seite

Werbung von 1974 für das amerikanische "Viewmaster"-System: Gucki, Projektor und Diascheiben. Einige Projektoren waren überdies mit Ton ausgestattet:

 

Man konnte sich sogar Viewmaster-Bilder selbst herstellen, mit dieser Spezial-Stereo-kamera (gesehen auf ebay)

 

Literatur

Die "Magic Lantern Society" in England - ein wundervolles Museum alter Laterna Magicas! Unbedingt ansehen!

L. J. Marcy: The Sciopticon Manual, 1877

G. Brunel: Les agrandissements et les projections, 1899 (genaue Beschreibungen und Abbildungen zu diversen Projektoren und Projektions-Knowhow um die letzte Jahrhundertwende!)

Hassack, Karl, Rosenberg, Karl: Die Projektionsapparate. Laternbilder und Projektionsversuche in ihren Verwendungen im Unterrichte, Wien und Leipzig 1907 (Erklärungen der Herstellungsmethoden und diverser Projektionsmöglichkeiten, besonders zum Einsatz im naturwissenschaftlichen Unterricht, zahlreiche Illustrationen).

Liesegang, Paul Eduard: Die Projectionskunst für Schulen, Familien und öffentliche Veranstaltungen, nebst einer Anleitung zum Malen auf Glas, 10. Auflage, Düsseldorf 1896. (Hier erfahren Sie, wieviel Feingefühl für die Bedienung der diversen Projektoren nötig war!)