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Laterna-Magica-Bilder für Kinder

Laternabilder waren ab dem 19. Jhd. der erste Kontakt für Kinder mit der Welt außerhalb ihrer Stadt oder ihres Dorfes. Sie zeigten neben Märchen und lehrreichen Geschichten auch ferne Länder, Tiere und Völker, aber auch Szenen von Kriegen, die die Jungen daheim auf den heldenhaften Kampf für das jeweilige Vaterland einstimmen sollten. Bilderserien entstanden auch zu religiösen Themen und wurden wohl während des Religionsunterrichts gezeigt.

Auf Glas gemaltes und fest im Holzrahmen installiertes Diapositiv, vermutlich Mitte 19. Jhd. (Eigentum A. Napp)

 

Doppelglas-Laterna-Bilder der Firma Ernst Plank, Nürnberg, um 1900 (Eigentum A. Napp)

Einglas-Laterna-Bilder mit Gelatineabziehbild unbekannter Hersteller (Eigentum A. Napp)

Schiebebild mit fahrendem Zug, unbekannter Hersteller. (Eigentum A. Napp)

Mit Deckglas versehene und von Hand gerahmte, sowie mit Aufschrift beklebte Glasdias waren teuer. 1905 gründete der Filmpionier Max Skladanowsky daher die Firma "Projection für Alle", deren Ziel war, Glasdias erschwinglich für (fast) jedermann zu machen. Diese Dias bestanden lediglich aus der Bildträgerplatte, und die Beschriftung war jeweils mit fotografiert worden, befand sich also auch auf dem Bildträger. Sie besaßen kein Deckglas und mussten nicht gerahmt werden. Der Nachteil: Einglasdias waren sehr empfindlich und durch das dünne Glas brüchig. Für den Viel-Gebrauch an Bildungsinstituten waren sie nicht geeignet. Ein Vortragsheft mit Informationen zu den Bildern lag jeder Serie bei.

Vier Beispiele aus der Schachtel "Tirol" der Firma "Projection für Alle" (bitte klicken für mehr Details!)

 

Das Lichtbild besaß eine eigene Kultur. Es war aus dem öffentlichen Leben, der Wirtschaft und der privaten Lebensart nicht mehr wegzudenken. Eisenbahnfirmen schickten zu Werbezwecken für den Verlauf ihrer Strecke eigene Diaserien auf die Reise, Schulen und Kirchen zeigten Lichtbilder. Es gab sogar "Dia-Clubs", die nach festgesetzten Regeln ihre Lichtbilder untereinander tauschten, wie diese Anzeige in einem Fotografier-Journal von 1905 zeigt:

Der Austausch von Lichtbildern blieb auch bis Mitte des 20. Jahrhunderts noch Teil des akademischen Lebens. Einzelne Institute oder Dozenten halfen so einander aus, zum Beispiel nach den Zerstörungen des II. Weltkrieges, oder tauschten Dubletten gegen Angebote anderer Universitäten. Aus dem Familienleben der 50er bis 90er Jahre gar nicht wegzudenken sind die Dia-Abende, bei denen die Erlebnisse des letzten Urlaubs oder familiäre Highlights bei Knabbergebäck und im gemütlichen Wohnzimmer geteilt wurden - nicht auf Facebook! Über die Qualität der Dias ließ sich natürlich streiten...

KUNST, KULTUR und Politik auf BildbAENDERn

Vermittlung von Bildung in den Bereichen Kunst, Kultur, Politik, Naturwissenschaften, aber auch Landwirtschaft und Gesundheitslehre blieben zentral bei Herstellern und Verlagen von Dias.

Der "Deutsche Lichtbild Dienst", "Dr. Franz Stoedtner", "Seestern Lichtbilder vom Seemann-Verlag" und andere Verlage gaben zahlreiche Diaserien und Bildbänder zu diversen Themen heraus, die der Volksbildung dienen sollten und sich neben der Touristik auch mit aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Themen befassten. In diesem Sinne handelte es sich zuweilen um eindeutiges Propagandamaterial, etwa, um Stimmung gegen Frankreich zu machen (an das durch den Versailler Vertrag Gebiete abgetreten werden mussten), oder um das "Deutschtum im Osten" heraus zu stellen. Auch Wirtschaftsunternehmen standen hinter Lichtbilderdiensten, wie der "Deutschen Lichtbild Gesellschaft". Nicht zuletzt bedienten sich auch Kirchen und Reiseveranstalter wie der Deutsche Lloyd des Mediums. Europäische Bildbänder befanden sich auf 35-mm-Film und konnten in Längsrichtung oder Quer (=Leicaformat) belichtet werden.

Bildbänder diverser deutscher Verlage aus den Jahren 1920 bis 1945 mit ihren originalen Skripten. (Eigentum A. Napp)

 

Ein altes Bildband mit Hamburgbildern,

um 1925

 

Vier Bilder aus alten Bildbändern, zwischen 1915 und 1925: Touristen vor dem Luxor-Tempel, alte Leipziger Universität mit Pauluskirche, Ochsenwagen in Südafrika, Schleuse in Damietta mit Kamelen. Originalgröße der Bilder ca. 1,6x2 cm.

Lichtbilderdienste wie die Film-Vertriebs-Gesellschaft boten auch dem Privatmann oder Verein an, nach gelieferten Einzelvorlagen (Postkarten, Zeichnungen, Fotos...) Bildbänder herzustellen. Auf Wunsch konnten diese Bänder oder einzelne Bilder darin sogar handkoloriert werden! Die Größe der Bilder (Hälfte eines späteren Kleinbilddias) brachte es allerdings mit sich, dass diese Kolorierung nicht sehr genau sein konnte, wie oben das Bild von Damietta zeigt. 6-10 Tage dauerte die Fertigstellung eines solchen Bildbandes; die Kosten beliefen sich in den 30er Jahren auf 13,50 RM .

Koloriertes Bild aus dem Streifen 'Deutsche Heldengräber auf fremden Boden' von Franz Stoedtner.Rechts ein Detail, das deutlich zeigt, wie die Kolorateure etwas unsauber gemalt haben. Kein Wunder bei der Größe des Bildes.

In den USA entwickelte die Firma "Still Film" zusammen mit der Projektorfirma "Picturol" ein eigenes Bildbandformat auf 55-mm-Film ohne Perforierung. Diese Bildbänder wurde bereits auf eine Spule gespannt gekauft und mit der Spule in den Projektor eingesetzt.

Film Strips Still Film

Bildbänder der amerikanischen Firma Still Film aus den 1920er Jahren in ihren originalen Dosen. Vorn eine geöffnete Dose mit ihrer 55-mm-Film-Spule. Ganz rechts zu Größenvergleich ein Bildband auf 35-mm-Film.

Auch die nach amerikanischem Patent hergestellten Bildbänder waren teilweise koloriert, wie dieses Beispiel des Bandes "Soviet Russia" von 1925 zeigt:

Soviet Russia Bildband Film Strip

 

Lesen Sie hier Genaueres zur Herstellung, Bestellung und der Lieferung von Bildbändern aus der Film-Vertriebs-Gesellschaft Berlin (Beispiel von ca. 1935):

Dias und Bildbänder wurden bis in die 1980er Jahre zur Unterhaltung und als Lehrmittel eingesetzt. Besonders in den 1950er bis 1960er Jahren, als Fernsehen noch nicht in jedem Haushalt vorhanden war, warben Verlage mit Diaserien und Bildbändern für "Freude und Entspannung" in der ganzen Familie. Die Angebote umfassten kunsthistorische und touristische Themen ebenso wie Märchen und andere Kinderthemen.

Titelblatt eines Kataloges für Bildbänder der DDR-Firma "Elgo" aus dem Jahr 1955

Katalog der DDR-Firma "E.W.-Dia" für Bildbänder und gerahmte Dias aus den Jahren 1962 bis 1964 (pdf-Download)

Viele Verlage fassten eine Auswahl ihrer schönsten Bildbänder in Themenschachteln zusammen. Hier ein Beispiel aus den 1950er Jahren der DDR:

Wer mehr über das Thema "Bildbänder" erfahren will, geht am besten auf diese Seite: www.deutsches-bildbandarchiv.de

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Die Lichtbildverlage Dr. Franz Stoedtner, Berlin und Eduard Liesegang, Düsseldorf belieferten vor allem Universitäten und andere Bildungseinrichtungen mit ihrem Material, das technisch und wissenschaftlich auf dem höchsten Stand sein sollte und von Originalen abfotografiert wurde. Die Lichtbilder konnten in ganzen Serien, oder aber als Einzelbild erworben werden. Zuvor konnte man Ansichtsalben, Kataloge, oder sogar Probesendungen mit Lichtbildern einsehen.

Hier eine Originalschachtel von Stoedtner aus der Zeit von 1902-1925 mit ihrer Reihe (1 Bild fehlt) und eine Box von Liesegang mit einer kolorierten Ägyptenserie:

Stoedtner-Dias

Bitte klicken für das größere Bild!

Eigentum A. Napp

handkolorierte Dias

Bitte klicken für mehr Details!

Eigentum A. Napp

Auch der Leipziger Verlag E.A. Seemann versorgte mit seinen hochqualitätiven "Seestern-Lichtbildern" vor allem Bildungseinrichtungen. Die Reihe "Bibliotheca Cosmographica" bot zu den einzelnen Diaserien detailreiche, von Universitätsprofessoren verfasste Beihefte mit Informationen an, wie auf dieser Schachtel zu lesen ist:

Die folgenden prächtigen alten Glasplatten-Dias befinden sich im Besitz des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg und wurden zu Forschung und Lehre genutzt. Die Originalaufnahmen stammen aus einer Zeit von 1900 bis 1915. Interessant sind auch die Aufkleber und Beschriftungen, die Herkunft, Alter und Erwerb des Objekts anzeigen.

Herculaneum, römische Wandmalerein, handkoloriertes Dia der Firma Paul Kleye aus Berlin um 1935

Ein Kunstwerk für sich: Dia der Firma Krüss mit runder, dem Motiv angepasster Maske, ehem. Archäol. Seminar, Dia um 1929

Auch die Wäscheleinen in Genua waren es wert, auf einem Dia abgebildet zu werden, Dia um 1910.

Abu Simpel - noch nicht ausgegraben. "Seestern"-Lichtbild aus Leipzig, ehem. Seminar für Alte Geschichte, um 1910.

Bamberger Dom, Portal. Dia der Lichtbildanstalt Franz Stoedtner, Berlin, um 1925.

Doppeldia für das "Vergleichende Sehen", beschriftet vom Kunsthistoriker Erwin Panofsky, um 1925.

Diapositive als Zeugen des architektonischen Wandels

Herald-Square New York 1908, Originalfoto nachträglich als "Nachtaufnahme" coloriert. Noch war elektrische Beleuchtung etwas, womit man angeben konnte. Das Gebäude des "New York Herald" wurde 1924 abgerissen. (Eigentum A. Napp)

 

RELIGION

Religiöse Bildung war ein Hauptanliegen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. So gab es zahlreiche Serien zu Themen wie "Das Leben Jesu", das "Leben der Hl. Marie", auf den Spuren der Apostel und Ähnliches.

Li.:. ein Gemälde der "Flucht nach Ägypten", Re.: Jerusalem, Kirche "Dominus Flevit"

 

WERBE-Dias

Natürlich wurden Dias nicht nur zur Bildung, religiösen Erbauung oder Freizeitunterhaltung eingesetzt, sondern auch zur Werbung. Sowohl Groß- als auch Kleinbilddias kamen für Schaufensterwerbung in Endlosschleifen oder im Kino vor dem Hauptfilm zum Einsatz.

Ein Werbedia für einen kommenden Film, Größe 8,5x8,5 cm mit einer zwischen den Glasscheiben liegenden Filmfolie, 1950er Jahre.

Ein Werbedia für Warmwasserboiler auf einer Filmfolie zwischen zwei Glasplatten, Größe 8,5x8,5 . Die Adresse des Fachgeschäfts wurde gesondert hinzugefügt.

Kleinbild-Film-Dias

Nachdem der 35 mm-Film das Licht der Welt erblickt hatte, dauerte es auch nicht mehr lang, bis die ersten Film-Dias (s/w und Farbe) hergestellt wurden: aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es bereits Farbdiaserien! Ein Vorläufer des 35 mm-Films war der 16 mm-Film, dessen Abschnitte, eingepasst in ein Papprähmchen, offenbar zu Werbezwecken dienten. Heute liefern die Abschnitte Einblicke in längst vergangene und vergessene Filme und damalige tagespolitische Ereignisse:

 

Auch Dias neueren Datums können bereits historisch wertvoll sein, wie diese kleine Serie von 1971, die aus der Kindergartenpädagogik der DDR stammt und die technischen und baulichen Errungenschaften des Sozialismus feiert. Einige der Bauten bzw. Denkmäler stehen heute nicht mehr oder wurden stark verändert:

 

Manchmal ist auch gar nicht so sehr das Motiv wichtig, sondern das "Drumherum". Auf diesen Dias steht das Baptisterium in Florenz, ein Bau des 11. Jahrhunderts, unberührt, zeitlos, inmitten der sich wandelnden Gesellschaft:

Aufnahme um 1900: frau trägt noch bodenlang und man fährt in der Kutsche (Eigentum Uni HH)

 

Aufnahme um 1925: Die Gaslaterne musste weichen, Straßenbahnschienen wurden verlegt und die Pferdekutsche wurde vom Automobil ersetzt (Eigentum Uni HH)

Aufnahme um 1965: Autos und Busse sind deutlich mehr und flotter geworden (Eigentum Uni HH)

Schon sehr früh wurden natürlich auch von Privatleuten Dias fotografiert; von anspruchsvollen Amateuren sogar Stereodias, die mit einem speziellen Betrachter dann in "3-D" zu sehen waren. Die Firma des Filmpioniers Max Skladanowsky brachte als erste auch Stereoaufnahmen auf Bildbändern an.

Stereodia um 1925, Privataufnahme der Familie Napp

Werbung für einen Stereogucki mit Bildbändern

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